|
Zwischen Kindermund und Pixel-Punkten
Zur Welt kam Kathi Protze vor 31 Jahren im sächsischen Pirna. Von Kindesbeinen an war die am 4. April geborene Kathi ein Bewegungstalent und physisch ebenso mobil wie von geistiger Beweglichkeit. Ihre besondere Fähigkeit, in Bildern denken zu können, machte sich bereits in den ersten Schuljahren bemerkbar - zwar noch nicht entwickelt, so doch ansatzweise. Vorerst jedoch dominierten körperlich-sportliche Aktivitäten das junge Leben der vielfältig talentierten Pirnaerin. Forderte der von ihr auf Leistungsebene betriebene Kanurennsport eher die ausdauernde Kämpferin, kam beim Tanz in einer Ballett- und Jazzdancegruppe schon früh eine erste musische Komponente in die sich vergrößernde Lebenswelt der späteren Graphik-Designerin.
Ein entsprechend geäußerter Berufswunsch entsprach zwar nicht ganz den Vorstellungen der Eltern, die ihre Tochter gern auf höherer Verwaltungsebene erfolgreich gesehen hätten - aber die willensstarke junge Frau setzte sich mit ihrem Plan durch. Dem Leistungsport auf Grund einer Verletzung Ade sagend, machte Kathi Protze erst einmal Abitur und erlernte anschließend den Beruf einer gestaltungstechnischen Assistentin. Dass dies nur der Anfang sein konnte - auch der Beginn eines Loslösungsprozesses von Heimatstadt und Elternhaus -, lag in der Natur der Sache.
Kathi Protze wollte (und natürlich will sie das wie jeder junge Mensch immer noch) etwas Besonderes aus ihrem Leben machen: "Pirna ist nun mal eine kleine Stadt - irgendwie war klar, dass ich nicht bleiben konnte...", sagt sie nicht ohne leichtes Sentiment, denn die Eltern, mit denen sie ein herzliches Verhältnis verbindet, leben noch immer in dem pittoresken Städtchen, das durch Canalettos stimmungsvolle Bilder jedem Freund perfekter Vedutenmalerei bekannt sein dürfte.
Nicht gerade Malerei, aber doch bildliche Darstellungen sollten es von nun an sein, die Kathis berufliches Leben bestimmen sollten. Die Lehrzeit war hart, es wurde viel verlangt - vor allem an handwerklichen Fähigkeiten. Die angehenden Gestaltungstechniker wurden damals noch nicht ausschließlich am Computer ausgebildet. Aus gutem Grund: Handwerk erlernt man eben nun mal per Hand. Von der Kalligraphie bis zum Scherenschnitt galt es an der Plauener Ausbildungsstätte, an der Kathi Protze inzwischen lernte, mehr als nur manuelle Geschicklichkeit zu entwickeln. Die jungen Leute lernten damals zumindest, auch bei Stromausfall entwerfen und gestalten, also schöpferisch tätig sein zu können. Und wer kann das schon von sich sagen? Einer schönen Lehr- und Lernzeit folgten die ersten beruflichen Engagements und erste Erfolge!
Empfohlen von der Plauener Schule, begann Kathi Protze, im benachbarten Hof in der renommierten Werbeagentur "Braun, Burckhardt und Juschten" zu arbeiten. Hier gab man der talentierten Gestalterin auch erstmals die Chance, eine erste - übrigens mit freundlichem Beifall aufgenommene - eigene Präsentation vorzubereiten und abzuhalten. An diesen mutmachenden Erfolg erinnert sich die junge Frau heute immer noch lebhaft, an das vorangegangene Lampenfieber verständlicherweise nicht so gern. Harte, mitunter wirklich schwere Arbeit wurde in der Hofer Agentur geleistet; der Chef war ein exakt vorgehender Mann, der keine Ungenauigkeiten duldete. Sein Leitsatz: „Ins Atelier gehört kein Computer!" war durchaus wörtlich zu nehmen. Also wurde das, wofür an der Plauener Schule das Fundament gelegt worden war, weiterentwickelt und vervollkommnet.
"Die Jahre in der Hofer Agentur wurden mir quasi eine zweite Lehrzeit. Hier hat man mir wirklich viel, viel beigebracht!", kommentiert Kathi heute ihren ersten Job in einer „richtigen" Werbeagentur.
Trotzdem wollte sie letztlich auch hier keine Wurzeln schlagen. Nach Intermezzi in verschiedenen Unternehmen und Städten verschlug sie ein verrückter Zufall nach Erfurt. Das war im Jahr 1997. Kaum zehn Minuten in der Stadt, lernte sie wie auf Bestellung den Chef der Agentur "Kartinka", Andreas Jung, kennen, der sie zwei Wochen später für seine Firma engagierte. Sympathie für die Mitarbeiter, das Unternehmen, für die Stadt – es kam, wie es kommen musste: Kathi Protze blieb in der Blumenstadt und wurde Erfurterin. "Ich habe mich ziemlich schnell eingelebt. Als ob Erfurt einfach die richtige Stadt für mich wäre...", vermutet die bis heute in der Domstadt lebende Ostsächsin, die sich allerdings dialektal noch nicht für das Erfurter Idiom entscheiden konnte und stattdessen ein neutrales Hochdeutsch bevorzugt.
Nach einer rundum erlebnis- und erfolgreichen Zeit bei "Kartinka" stieg Kathi Protze im Jahr 2000 bei der neu am Markt agierenden "net-com multimedia AG" ein. Hier wuchs ihr Aufgabenbereich zusehends. Nach dem Rückzug des damaligen Art Directors übernahm sie nicht nur dessen Verantwortungsbereich, sondern betreute zeitgleich als Geschäftsführerin auch noch andere Unternehmensbereiche: Pressearbeit, Werbemittelvertrieb, Printmedien und Internetauftritt. - Viel Arbeit. Vielleicht zuviel? Nein, Kathi Protze wollte immer schon viel arbeiten und liebt die Herausforderung als solche. "Außerdem", so erklärt sie, "konnte ich damals mit einem außergewöhnlich fähigem Team zusammenarbeiten. Wir waren eine einmalig gute Truppe - und dann gelingt eben auch vieles, selbst wenn’s noch so viel Arbeit macht." Trotzdem schien es irgendwann dann doch zuviel Arbeit geworden zu sein. Kathi Protze gönnte sich ein Jahr Pause, regenerierte physisch und mental, gestaltete ihr Privatleben neu.
Als im April 2003 sich ein neuer Erdenbürger Kathi zur Mutter wählte, nutzte die überraschte Mama in spe diese Chance, eine ganz andere Art gemeinsamen Lebens erleben zu können. Nach glücklich verlaufender Schwangerschaft kam am 13. Januar des Jahres 2004 Sohn Louis zur Welt und brachte erst einmal einiges durcheinander. "Ich hatte immer alles im Griff. Na - und dann zappeln da 50 Zentimeter und alles läuft plötzlich ganz anders...", erinnert sich die stolze Mama heute immer noch leicht irritiert. Inzwischen meistert Kathi Protze natürlich auch diesen "Job", ist fähige und erfinderische Mutter und Lebensgefährtin ihres Partners - aber eben nicht nur das: Die notwendige berufliche Bewährung findet Kathi mittlerweile in ihrem eigenen Unternehmen; sie hat sich als freie Graphikerin selbstständig gemacht und ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ihre eigene Chefin. In der künftigen Zusammenarbeit mit alten Weggefährten sieht sie indes mehr als nur eine nostalgische Reminiszenz: "Wir wollten damals was verändern und haben es getan. Wir wollen heute etwas leisten und werden es tun!" Wer Kathi Protze kennt, weiß, dass ihr Wort etwas zählt.
|
|